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Über mich

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Ich wurde während des Iran-Irak-Krieges geboren;
danach kam das Exil.
Wenn man mich fragt, wo meine Heimat ist, lautet meine Antwort
nicht geografisch. Heimat ist für mich ein Ort, an dem ich arbeiten, schreiben und denken kann; ein Ort, an dem meine Liebsten leben und an dem das Leben weitergeht.
Während der Bombardierungen setzte mir meine Mutter Kopfhörer auf und spielte Musik von Pink Floyd und den Bee Gees, damit ich die Explosionen nicht hören musste. Manchmal tanzte sie vor mir und weinte gleichzeitig. Dort verstand ich zum ersten Mal, dass Bewegung sowohl Zuflucht als auch Wahrheit sein kann.
Mein Körper wuchs im Schatten von Krieg und Kontrolle auf.
In einer Gesellschaft, in der Bewegung zum Verbrechen werden kann, wird der Körper zu einem Ort des Konflikts. Sehr früh begriff ich, dass der Körper nicht nur ein Instrument der Darstellung ist, sondern ein Speicher von Erfahrungen — geprägt von verstummten Stimmen, unterdrückten Ängsten und unsichtbaren Widerständen.
Meine Arbeit entsteht aus Reibung — zwischen Bewegung und
Verbot, zwischen Sichtbarkeit und dem Versuch zu verschwinden.
Auf der Bühne wird der Körper für mich zu einem lebendigen Archiv individueller und kollektiver Erfahrungen. Trauma wird dabei nicht rekonstruiert, sondern durch Bewegung sichtbar gemacht.
Wiederholung ist dabei nicht nur eine formale Entscheidung, sondern Ausdruck von Widerstand. Rhythmus ermöglicht es dem
Körper, seinen Platz im Raum immer wieder neu zu behaupten.
Ich arbeite im Feld von Theater, Performance und Choreografie.
Die Bühne ist für mich ein Ort, an dem Situationen entstehen — nicht nur ein Ort des Erzählens. Was dort entsteht, ist das Ergebnis einer Spannung zwischen Körper, Raum, Stille und Sprache.
Aufgrund eines Arbeitsverbots und erheblicher Einschränkungen
meiner künstlerischen Tätigkeit habe ich den Iran unfreiwillig
verlassen; das Schweigen jedoch habe ich nicht mitgenommen.
Jede Aufführung ist für mich eine Weigerung zu verschwinden.
Die Bühne ist ein Ort der Präsenz — ein Ort, an dem der Körper
unmittelbar sichtbar wird.

 

Kunst ist für mich nicht nur ein Zufluchtsort,

sondern ein Feld. Ein Feld, auf dem man stehen,

tanzen und standhalten kann;

ein Ort, an dem selbst aus der Dunkelheit eine

Form von Schönheit entstehen kann.

 Babak Radmehr                      

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